Die Hörgeräte-Branche in Deutschland befindet sich im Wandel – geprägt von einer alternden Gesellschaft und soziodemografischen Veränderungen. Der demografische Trend ist dabei ein entscheidender Wachstumstreiber: Bis 2035 wird der Anteil der über 65-Jährigen auf über 28 Prozent steigen. Mit dem Renteneintritt der geburtenstarken Babyboomer-Generation und der nachfolgenden Generation X, die im kommenden Jahrzehnt folgt, wächst der Bedarf an Hörlösungen kontinuierlich.
Parallel dazu beschleunigt sich die Konsolidierung innerhalb der Branche: Marktteilnehmer schließen sich zusammen, und große Ketten gewinnen zunehmend an Bedeutung. In diesem dynamischen Umfeld bieten präzise Marktdaten, wie etwa die Absatzkennziffern von Nexiga, wertvolle Unterstützung für eine fundierte Standortwahl und strategische Expansionsentscheidungen.
Geobasierte Zielgruppenanalysen decken Details auf.
Demant kauft Kind: Größte Übernahme der Firmengeschichte
Der dänische Hörgerätehersteller Demant, gegründet im Jahr 1904, übernimmt die deutsche Hörgerätekette Kind für rund 700 Millionen Euro, wie die Wirtschaftswoche berichtete. Mit der Übernahme will Demant seine Präsenz auf dem deutschen Markt stärken. Kind betreibt etwa 600 Filialen in Deutschland, die nach der Übernahme weiter unter dem Namen Kind geführt werden (Claim: „Ich hab ein Kind im Ohr“). Die Eigentümerfamilie zieht sich danach komplett zurück. Zusammen verfügen Demant und Kind künftig über 900 Filialen in Deutschland und mehr als 4500 weltweit, was sie zur Nummer eins im deutschen Markt macht. Für Demant ist dies der größte Zukauf der Firmengeschichte.
Die Branche ist von einer zunehmenden Konsolidierung geprägt. Große Ketten prägen den Markt immer stärker. Kleinere, unabhängige Hörakustiker werden häufig aufgekauft oder suchen Kooperationen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Trotz dieser Entwicklung bleibt der Bedarf an persönlicher Beratung und individueller Betreuung hoch, was auch kleineren Betrieben weiterhin Chancen bietet.
Verteilung von Filialstandorten
Unsere Karte (PDF) vergleicht die Filialnetze von Kind und dem Wettbewerber Geers Hörakustik, der bereits 2018 von der schweizerischen Sonova Holding AG (u. a. Marken wie Hansaton und Phonak) übernommen wurde, auf Ebene der 400 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland. Dabei zeigt sich eine deutliche geografische Überschneidung: In 181 Kreisen und kreisfreien Städten sind beide Ketten vertreten, was zu einer nahezu flächendeckenden Versorgung in einem Korridor von Köln bis Rügen führt. In 67 Kreisen hingegen – vor allem in Teilen Bayerns und Nordhessens – fehlt bislang eine Präsenz beider Marken.
Besonders in ländlichen Regionen, die aktuell überwiegend von kleineren Wettbewerbern und inhabergeführten Fachgeschäften versorgt werden, schreitet die demografische Alterung spürbar voran und bietet somit Potenzial für eine zukünftige Markterschließung.
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Präzise Zielgruppenplanung: Altersgruppen erleichtern die Identifikation von Zielgruppen mit ähnlichen Interessen und Konsumgewohnheiten. Durch die Verknüpfung mit geografischen Daten können Gebiete identifiziert werden, in denen bestimmte Altersgruppen überdurchschnittlich vertreten sind. Diese Vorgehensweise unterstützt eine fundierte Standortentscheidung und ermöglicht die gezielte regionale Steuerung von Marketingmaßnahmen.
Erfolgsfaktoren in einer alternden Gesellschaft
Ein wesentlicher Treiber für die Hörgeräte-Branche ist der demografische Wandel: Da altersbedingter Hörverlust ab dem 50. Lebensjahr deutlich zunimmt, wächst der Bedarf an moderner Versorgung mit Hörgeräten stetig.
Zugleich verändert sich die ältere Bevölkerung in ihren Ansprüchen. Senioren sind heute gesundheitsbewusster, technikaffiner und bereit, stärker in ihre Lebensqualität zu investieren. Viele nutzen bereits digitale Technologien und legen Wert auf moderne, vernetzte Lösungen. Entsprechend steigt die Nachfrage nach Hörgeräten, die nicht nur funktional sind, sondern auch ästhetisch ansprechend, unauffällig und mit zusätzlichen smarten Funktionen ausgestattet sind.
Diese Entwicklung spiegelt sich deutlich in der Marktdynamik wider. Der deutsche Hörgerätemarkt wächst aktuell jährlich um etwa drei bis fünf Prozent. Dabei gewinnen innovative Technologien zunehmend an Bedeutung. Hörgeräte sind heute oft mit Bluetooth, Smartphone-Apps, künstlicher Intelligenz und weiteren smarten Funktionen ausgestattet, die das Hörerlebnis verbessern und zusätzliche Gesundheitsfunktionen bieten. Gleichzeitig setzen viele Anbieter verstärkt auf hybride Vertriebsmodelle, die eine Kombination aus stationären Fachgeschäften und digitalen Dienstleistungen ermöglichen.
Insgesamt sind die Zukunftsaussichten der Branche ausgesprochen positiv. Der demografische Wandel wird den Bedarf an Hörlösungen weiter steigen lassen. Gleichzeitig treiben technologische Innovationen wie hörunterstützende Wearables oder künftig möglicherweise frei verkäufliche Hörgeräte (Over-the-Counter) den Wandel der Branche voran. Auch politische und gesundheitspolitische Rahmenbedingungen, wie beispielsweise Reformen im Bereich der Kostenübernahme durch die Krankenkassen, werden maßgeblich Einfluss auf die weitere Entwicklung der Hörgeräte-Branche in Deutschland haben.
Soziodemografische Daten von Nexiga bieten eine wertvolle Grundlage für fundierte Standortentscheidungen und nachhaltigen Markterfolg. Ergänzend ermöglichen produktspezifische Umsatzkennziffern eine präzise Einschätzung der Umsatzpotenziale einzelner Fachgeschäfte sowie relevanter Fachabteilungen in Warenhäusern.